Soulfood | Der Poet oder der aufhaltsame Aufstieg des Proleten

Freitag, März 30, 2018


2 Jahre ist es her als mein Kumpel mich und zwei weitere Freunde auf Facebook unter schwachsinnigen Beiträgen eines selbsternannten Poeten markierte.
Die Deepness war realer als meine Wimpern und es triefte so schmalzig, dass mein Magen den Halt-Stopp! Andreas machte.



Wer schreibt denn so einen sinnfreien Scheiß?
"Sie hört dein Klopfen aber sie kann dich noch nicht reinlassen denn der Letzte hat sie fast umgebracht"
Ok. Harter Tobak.
Deep Shit.



Für uns wurde der Lazar Angelov Verschnitt zum internen Joke und wir grölten über die banalen und geklauten Social Media-Philosophien und Weisheiten, die Menschen tatsächlich als tiefgründig sahen.

Denn 1 muss man dem Proleten lassen:
Kein Fuckboy zuvor, aber auch keiner, hat es erfolgreicher geschafft, Frauen kollektiv zu verarschen.
That's a whole 'nother Level.
That's some Deep Shit.



Wir vermuteten, dass sich hinter dem Profil eventuell eine sehnsüchtige, einsame Frau, die so ihren Liebesschmerz aufarbeitet, versteckte.
Eine verletzte Frau, die all das zusammenklaute und postete was sie sich in und von einem Mann wünschte.
Aber nein, tatsächlich steckte ein Mann mit schlecht aufgespritzten Lippen und gefärbtem Haar dahinter, der im Gym ganz bestimmt nicht Rilke zitiert.
Ein optischer Alphamann, der öffentlich seine Sehnsucht zelebriert und seine zarte Seele im Tausch gegen Likes anbietet.
Jemand, der das Copy und Pastet was Frauen lesen wollen.

Und so wurde er noch feierlicher für uns bis an dem Tag als mich der gute Ede wieder unter einem literarischem Erguss markierte und das sanfte Alphamännchen Sand in der Vagina hatte.
Er verlangte eine Entschuldigung meinerseits dann würde er mich entblocken.
Deep der Sand.
Ganz deep.



So wurde uns weiteres geistiges Erbrochenes verwehrt und wir erfuhren, dass er tatsächlich ein Buch zusammengetragen hat.
Die Hoffnung, ein Verlag würde es verlegen, und zwar ganz weit weg, starb denn tatsächlich ging der Deep Shit weg wie Windeln.
Die Generation Grenzdebil feierte dieses Sammelsurium aus dümmlichen Kalendersprüchen und ein Blick auf die "Leserschaft" verriet auch, dass diese vorzugsweise nur Sparbücher, Instagramposts und Möbelkataloge von Ikea liest.
Ich bin ja wahrlich kein bildungsbürgerlicher Literaturdogmatiker und setze voraus, das Tolstoj-Gesamtwerk und sämtliche Meisterwerke der Vergangenheit gelesen zu haben aber jeder Zweitklässler wirkt mit seinem "Meine Hobbies"-Aufsatz nobelpreisverdächtig neben dem Poeten.
Inhaltlich handelt es sich um pseudotiefsinniges Gewäsch, das man in Tagebüchern 12jähriger Emo-Kinder finden würde, plus den 3 Punkten natürlich.
Rhetorische Stilmittel sind schon wichtig.



Formal ist der Deep Shit wohl irgendwo zwischen Aphorismus und Gelegenheitslyrik platziert obwohl es bei Amazon unter der Sparte Philosophie erschien.
Das ist so als wenn man den Furzton zwischen Chopin und Mozart einordnet.
Abgesehen von den Rechtschreibfehlern, die ein Lektor hätte erkennen müssen, ich aber nicht als tragisch sehe da die in den Original-Tweets ja auch vorhanden sind, ist diese ganze Farce sein Mittel zum Zweck.
Schaut man sich die "Leserschaft" genau an, versteht man auch was diese Zielgruppe lesen möchte.
Unter ihnen tummeln sich Duckface-Dummerchen, verletzte schwache Seelen, die sich ab und an mal paar tiefsinnige Posts geben möchten.
Die die Hoffnung haben, dass sie so ein Lazar Angelov Typ im Club anspricht, entführt und bis nach Paris mit ihnen fährt.
Sie nach dem One-Night-Stand zärtlich in den Arm nimmt, ihnen was von Liebe ins Ohr säuselt und sich selbst dafür hasst, die Damen jetzt verlassen zu müssen.
Ist ok aber dafür die Lyrik zu missbrauchen?
Sich zum tiefsinnigen Poeten zu stilisieren?
Unverzeihlich, schändlich, frech!
Ein Fuckboy, der Kunst vergewaltigt um in die Höschen leichter Damen zu gelangen?


Und nun kam heraus, dass er, völlig überraschend, seine Texte zusammengeklaut hat.
Nee, never ever!
Es gibt also noch mehr Menschen, die so einen Scheiss verzapfen?
Amazon setzte das Buch auf den Index, also nicht mehr verfügbar.
Von mir kriegt er den Kurix für den Biggest Shit ever!




Philosophin und Literaturliebhaberin!

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